Adhärenz – Wie machen Sie das?

Ein häufiges Thema: Der Arzt verordnet, der Patient hält sich nicht dran. Wie kann man das ändern? Wir haben bei Ärzten, Apothekern und PTAs nachgefragt.

Dr. Jörg Raßler, Chefarzt der Urologie am St. Elisabeth-Krankenhaus Leipzig

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„Bei Tabletten ist die Gefahr des Nichtnehmens groß. Man kann dem nur vorbeugen, indem man dem Patienten genau erklärt, worum es z.B. bei der Therapie nach einer Prostataoperation geht. Das braucht Zeit. Beim Gespräch sollte die Ehefrau dabei sein, damit sie die Einnahme zu Hause kontrolliert. Außerdem sollte man dem Patienten eine Medikamentenliste mitgeben, auf der das Präparat und seine exakte Dosierung verzeichnet sind. Das ist neuerdings Vorschrift, jeder behandelnde Arzt ist dazu verpflichtet. Ebenso sollten Testosteron und PSA regelmäßig kontrolliert werden, um den biochemischen Progress, das Nicht-Wirken des Präparates oder eine Fehleinnahme durch den Patienten frühzeitig zu erkennen und darauf reagieren zu können. Ich kontrolliere diese Werte alle drei Monate und teile sie dem Patienten mit. So wird er in die Therapie mit einbezogen. Den PSA-Wert sollte man nicht zu oft bestimmen. Das verunsichert den Patienten nur.“

Dipl.-Chemikerin Susanne Gehring, Apothekerin in Gütersloh

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„Ob ein Patient seine Medikamente regelmäßig und richtig einnimmt, erfahre ich meist zufällig im Gespräch. Immer wieder ist das ein Thema bei Hypertonie. Müssen mehrere Präparate eingenommen werden, wird eines einfach mal weggelassen, weil eine Verschlechterung oder eine Verbesserung nicht sofort spürbar ist. Ein weiterer Grund, warum Medikamente nicht eingenommen werden, ist die Angst vor Nebenwirkungen. Die Kunden lesen den Beipackzettel und legen das Medikament dann weg, weil sie die Risiken nicht einschätzen können. Bei vielen Medikamenten ist es wichtig, mit den Kunden darüber zu sprechen und sie davon zu überzeugen, dass manchmal gewisse Nebenwirkungen zu tolerieren sind, weil der Nutzen des Präparates weitaus größer ist. Wie man Einnahmelücken sonst noch erkennen könnte? Vielleicht durch eine Reichweitenberechnung bei Stammkunden.“

Julia Kühn, PTA aus Bad Oeynhausen

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„Apotheker und PTA haben die Pflicht, den ­Patienten über die Therapie und über das Arzneimittel aufzuklären und ihm Tipps zu geben, wie er die Therapie positiv beeinflussen kann. Ich unterstütze die Adhärenz durch eine sehr ausführliche Beratung in der Apotheke. Falls es dennoch zu Unstimmigkeiten kommen sollte, wird immer der behandelnde Arzt hinzugezogen.“

Prof. Dr. Klaus Weckbecker, Direktor des Instituts für Hausarztmedizin der Universität Bonn

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„Ärzte sind gut beraten, die Entscheidung für die Medikation zusammen mit dem Patienten zu treffen. Denn gut Informierte arbeiten besser mit. Außerdem gilt: Weniger ist mehr. Die Medikamentierung sollte also auf wirklich notwendige Präparate beschränkt werden, die nur einmal täglich genommen werden. Je einfacher die Einnahme desto besser. Daher verschreibe ich, gerade Älteren, keine Tropfen oder halben Tabletten.“

 
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