Schwindelnde Patienten – Wie machen Sie das?

Fast jeder Patient macht es: Er schwindelt, wenn er nach Gewicht, nach dem Konsum von Medikamenten, Alkohol oder Nikotin gefragt wird. Nun sind die Profis in Praxis und Apotheke nicht auf den Kopf gefallen. Wie reagieren sie, wenn sie den Schwindel bemerken? Wir haben nachgefragt.

Susanne Friese, Frauenärztin Bielefeld

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"Bei Schwangeren gehört zur Anamneseerhebung immer die Frage nach Nikotin- und Alkoholkonsum. In all den Jahren meiner Praxistätigkeit hat noch keine Schwangere regelmäßigen Alkoholkonsum angegeben, was allen Statistiken widerspricht. Wie aber mit diesem Wissen um die Dunkelziffer umgehen? Ich kann Gesprächsangebote machen, informieren und heikle Themen auf eine Art ansprechen, die es dem Gegenüber leichter macht, auch unangenehme oder schambesetzte Dinge zu erzählen. Geeignete Methoden der Gesprächsführung sollten jedem Arzt vertraut sein. Ziel muss es immer sein, eine tragfähige Arzt-Patienten-Beziehung aufzubauen, um überhaupt Interventionsmöglichkeiten für Verhaltensänderungen zu schaffen."

Thomas Schuster, Apotheker Lübbecke

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"Wie ich reagiere, wenn ein Patient mich anschwindelt? Das hängt von der Situation ab. Schwindelt er, weil er ein intimes Detail am Handverkaufstisch nicht preisgeben will, ich diese Information aber für eine richtige Beratung benötige, biete ich ein diskretes Gespräch im Beratungszimmer an. Besonders wenn das Schwindeln den Therapieerfolg gefährdet, sollte man als Apotheker nicht achtlos darüber hinweggehen. Niemals würde ich den Patienten mit seiner falschen Aussage direkt konfrontieren, wenn noch andere Personen in der Nähe sind. Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt. Durch geschickte Fragestellung versuche ich dem Patienten die Chance zu geben, sein Gesicht nicht zu verlieren, wenn er das Schwindeln zugibt."

Dr. Ulrich Hauer, Allgemeinmediziner Gütersloh

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"Patienten schwindeln, wenn es um ihre Diät, ihren Alkohol- und Zigarettenkonsum oder um ihre Therapietreue geht. Das merkt man meist sehr schnell: bei Diabetikern an den hohen Zucker-, bei Alkoholikern an den Leberwerten, bei Rauchern am Lungenfunktionstest. Auf jeden Patienten, der einen angeflunkert hat, muss man individuell und mit viel Fingerspitzengefühl reagieren. Manchmal hilft’s. Patienten, die ihre Tabletten nicht regelmäßig einnehmen, gestehen dann, dass sie Angst vor den Nebenwirkungen haben. Schwierig wird es bei Patienten, die Opfer häuslicher Gewalt geworden sind. Wenn man sie auf äußerliche Verletzungen anspricht, schweigen sie – meistens aus Scham."

Swantje Tenberken, Apothekerin Rheda-Wiedenbrück

"Ob Patienten uns anschwindeln? Das ist schwierig festzustellen. Aber bei OTC-Produkten wie Nasensprays, Abführmitteln oder Schlaftabletten fallen uns jene Kunden auf, die diese fast wöchentlich und manchmal sogar in Übermaßen kaufen. Bei den Nasensprays sind es vor allem junge Leute, bei Schlaftabletten alte Menschen und bei den Abführmitteln sind es Frauen mittleren Alters, die diese angeblich für ihre Nachbarin einkaufen. Ich weise diese Kunden immer auf die Folgen und Nebenwirkungen einer regelmäßigen Einnahme hin. Die meisten sind dann erstaunt und sagen: „Ach, ist das so?"

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