Regressfalle: Vorsicht bei Abrechnung von Verbandmaterial über Sprechstundenbedarf

von RAin Dr. Anna Lauber, LL.M., Kanzlei am Ärztehaus Münster, www.kanzlei-am-aerztehaus.de

In vielen hausärztlichen Praxen kommt es zu einem erhöhten Verbrauch an Verbandmaterial (u. a. aufgrund der Alleinstellung im ländlichen Raum und durch die Art des Patientenguts). Bei der Abrechnung dieses Verbandmaterials ist größte Vorsicht geboten, denn nicht immer darf es über den Sprechstundenbedarf bezogen werden.

Wundversorgung: Sofort-/Akutbehandlung oder geplante Versorgung?

Eine differenzierte Betrachtung des Bezugs von Verbandmaterial ist insbesondere bei der Wundversorgung notwendig. Aufgrund der Bestimmungen in den Sprechstundenbedarfsvereinbarungen der meisten KVen muss in der Praxis auf jeden Fall zwischen der reinen Akutversorgung und der Versorgung von Wundheilungsstörungen über einen längeren Zeitraum bzw. geplanten Verbandwechseln unterschieden werden. Denn als Sprechstundenbedarf gelten nur solche Artikel, die zur Sofortbehandlung im Rahmen der vertragsärztlichen Behandlung erforderlich sind. Das bedeutet konkret:

• Kommt der Patient akut und ungeplant zur Wundversorgung oder ist beispielsweise ein ungeplanter kleinchirurgischer Eingriff mit anschließender Wundversorgung indiziert, darf er mit Artikeln behandelt werden, die über den Sprechstundenbedarf bezogen worden sind.

• Hat der Patient hingegen einen Termin zum „geplanten" Verbandwechsel in der Praxis, handelt es sich nicht mehr um eine Sofort- oder Akutbehandlung. Dies hat zur Folge, dass das benötigte Verbandmaterial nicht mehr über den Sprechstundenbedarf verordnet werden kann. Stattdessen kann der Arzt das benötigte Verbandmaterial als Einzelbezug auf den Namen des Patienten zu Händen des Arztes verordnen oder dem Patienten den Verband rezeptieren, damit dieser ihn zum Verbandwechsel mitbringt.

Mangelnde Unterscheidung führt zum Regress

In der Praxis werden diese Vorgaben leider häufig nicht beachtet. Daraus folgt, dass es im Bereich der Wirtschaftlichkeitsprüfung der Verordnung des Sprechstundenbedarfs nach der Methode der Durchschnittsprüfung zu Regressen kommt, weil der erhöhte Verbrauch an Verbandmitteln die Fallkosten über den Durchschnitt der Vergleichsgruppe steigen lässt.

Diese Meldung wurde durch das IWW - Institut für Wissen in der Wirtschaft - erstellt.