Versorgungswettbewerb: Hausärzte stellen Forderungen zur Bundestagswahl

„Vorfahrt für mehr Versorgungswettbewerb.“ Diese Forderung stellen die AOK Baden-Württemberg, der Hausärzteverband Baden-Württemberg und MEDI Baden-Württemberg angesichts der bevorstehenden Bundestagswahl.

In einem gemeinsamen Positionspapier sprechen sie sich für mehr Selektivverträge aus. Die hausarztzentrierte Versorgung (HzV) führe nachweislich zu einer besseren und wirtschaftlicheren Versorgung als die Regelversorgung.

Baden-Württemberger schätzen den Hausarzt

Eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Kantar TNS hatte zuvor ergeben, dass mehr als 93 Prozent der Einwohner von Baden-Württemberg die bestehende Verpflichtung der Krankenkassen zur HzV für sinnvoll halten. In den übrigen Teilen Deutschlands teilen 87 Prozent der Befragten diese Meinung. Dort wissen 41,5 Prozent, dass ihre Krankenkasse einen Hausarztvertrag anbietet. In Baden- Württemberg kennen zwei Drittel der Einwohner diese Möglichkeit.

Weniger Krankenhausaufenthalte durch HzV

Vor allem chronisch kranke und ältere Patienten, die intensiv versorgt werden müssen, profitieren laut AOK, Hausärzteverband und MEDI von der HzV. Pro Jahr seien allein bei 4.000 herzkranken Patienten unnötige Krankenhausaufenthalte verhindert worden.
Die zunehmende Spezialisierung von ambulant tätigen Ärzten – zum Beispiel in der Geriatrie – sehen die Partner kritisch: „Diese Zerfledderung würde eine koordinierte Versorgung gerade bei älteren Patienten noch weiter erschweren“, heißt es in der gemeinsamen Presseerklärung.

Bundesweit nur wenige Selektivverträge

Die Unterzeichner des Positionspapiers meinen, dass die Selektivverträge außerhalb von Baden-Württemberg nicht genug ausgeschöpft würden. Das führe zu Wettbewerbsdefiziten, vermindere die Effizienz der Krankenversicherung und belaste die Beitragszahler unnötig. „Die neue Bundesregierung sollte dringend klare Signale für echten Versorgungswettbewerb setzen. Die Krankenkassen müssen durch die richtigen Anreize nachhaltig dafür interessiert werden, selektivvertragliche Alternativen zu entwickeln“, so Dr. Christopher Hermann, Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg. Von den bundesweit 4,3 Millionen Versicherten, die bis Ende 2016 einen Hausarztvertrag unterzeichnet hatten, ist ein Drittel bei der AOK Baden-Württemberg versichert.

Hemmnisse beseitigen

Außerdem gelte es, Blockaden aus dem Weg zu räumen. Dazu meint Dr. Berthold Dietsche, Vorsitzender des Hausärzteverbands Baden-Württemberg: „Außerhalb Baden-Württembergs gibt es einzelne KVen, die das notwendige Verfahren zur Honorarbereinigung zum Nachteil der ärztlichen Teilnehmer an den Selektivverträgen durchführen.“

Diese Meldung wurde durch das IWW - Institut für Wissen in der Wirtschaft - erstellt.