Demenztests – Vier Methoden zur Feststellung einer kognitiven Leistungsstörung

Wenn ein erster Verdacht auf einen kognitiven Leistungseinbruch besteht, gilt es diesen mittels diagnostischer Verifizierung zu konkretisieren. Welche vier anerkannten Demenztests es gibt und wie sie ablaufen, lesen Sie hier.

Demenztest

1. Uhren-Zeichen-Test

1. Uhren-Zeichen-Test

Der Uhren-Zeichen-Test, oft auch als Uhren-Ergänzungs-Test bezeichnet, ist ein sehr schnelles Screening-Verfahren. Bei guter Koordination dauert der Vorgang nur wenige Minuten. Geprüft werden komplexe Handlungsplanung und visuell-konstruktive Fähigkeiten. Als alleiniges Testverfahren reicht der Uhren-Zeichen-Test jedoch nicht aus und sollte durch einen weiteren Test ergänzt werden. Eingeschränktes Sehvermögen und motorische Probleme können das Ergebnis zusätzlich beeinflussen.

Durchführung:

• Zeichnen Sie einen Kreis und bitten Sie den Patienten diesen zu einem Ziffernblatt zu ergänzen.
• Geben Sie eine Uhrzeit (z.B. 11:10 Uhr, „zehn Minuten nach elf“) vor und lassen Sie den Patienten diese mit Zeigern eintragen.  

Auswertung:

• Darstellung des Ziffernblattes:
• Sind alle Ziffern eingetragen?
- (Nein = Hinweis auf einen Abbau der kognitiven Leistung)
• Teilen Sie das Ziffernblatt mit einer senkrechten und einer waagerechten Linie in vier Quadranten. Sind in jedem Quadranten maximal drei Ziffern?
- (Nein, es sind 4 oder mehr Ziffern in einem Quadranten = Hinweis auf einen Abbau der kognitiven Leistung)
• Darstellung der Uhrzeit: Wird die angegebene Zeit richtig dargestellt?
- (Nein = Hinweis auf einen Abbau der kognitiven Leistung)

 

Quelle:
• Shulman, K.I., Gold, D.P., Cohen, C.A., Zucchero, C.A.: Clock-drawing and dementia in the community: A longitudinal study. International Journal of Geriatric Psychiatry, 8 (1993), 487–496
• Watson Y.I., Arfken C.L., Birge S.J.: Clock completion: An objective screening test for dementia. J Am Geriatr Soc. 41 (1993), 1235–1240

2. Mini-Mental Status Test (MMST)

2. Mini-Mental Status Test (MMST)

Der Mini-Mental Status Test ist ein orientierendes, psychometrisches Verfahren zur diagnostischen Verifizierung und Abklärung kognitiver Leistungsstörungen. Bei bereits diagnostizierter Leistungsstörung dient er außerdem zur Verlaufsbeobachtung. Der MMST liefert jedoch keine konkrete Diagnosestellung zu den verschiedenen Demenzformen.

Grundsätzlich handelt es sich beim MMST um ein Verfahren, bei dem der behandelnde Arzt/Psychologe mittels Interview folgende Schwerpunkte testet:

• Orientierung
• Merkfähigkeit
• Frischgedächtnis
• Rechnen und Buchstabieren
• Handlungsfähigkeit
• Visuell-konstruktive Fähigkeit

Bei guter Koordination dauert der MMST etwa 10 bis 15 Minuten. Beim dazugehörigen Auswertungsschema nach Folstein können maximal 30 Punkte erreicht werden. Abstufungen in der Beeinträchtigung werden wie folgt beurteilt:

• 28 oder weniger Punkte: Das Ergebnis wird als suspekt beurteilt.
• Maximal 20 Punkte: leichte bis mittlere kognitive Leistungsstörung
• Unter 10 Punkte: schwere Form der kognitiven Leistungsstörung

 

Quelle:
Folstein, M.F., Folstein, S.E., Mc Mugh, P.R.: „Mini-mental state“: A practical method for grading the cognitive state of patients for the clinician., J Psychiatr Res 1975; 12:189–198

3. DemTect (Demenz-Detektions-Test)

3. DemTect (Demenz-Detektions-Test)

Der DemTect ist ein noch relativ junges Screening-Verfahren, das vor allem kognitive Fähigkeiten wie Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Wortflüssigkeit prüft. Das Screening ist leicht durchzuführen und zeigt eine höhere Sensitivität für beginnende kognitive Störungen als der MMST. Wie der MMST ist der DemTect auch zur Verlaufskontrolle bei bereits diagnostizierter kognitiver Leistungsstörung geeignet.

Das 5-teilige Verfahren teilt sich in folgende Subtests auf:

1. Wortliste: Zwei Wortreihenfolgen müssen sich gemerkt werden.
2. Zahlenumwandlung: Ziffern sollen in Wörter umgewandelt werden und Wörter in Ziffern.
3. Supermarktaufgabe: Es sollen maximal 30 Begriffe genannt werden, die im Supermarkt zu finden sind.
4. Zahlenfolge rückwärts: Mehrere Zahlenfolgen sollen rückwärts genannt werden.
5. Wiederholung der Wortliste: Die Wörter aus dem ersten Subtest sollen wiederholt werden.

Je nach Kooperationsfähigkeit dauert der DemTect 10 bis 20 Minuten. Die Ergebnisse der einzelnen Subtests werden mit Hilfe einer Tabelle in Punktewerte umgerechnet. Es können maximal 18 Punkte erreicht werden.
Die einzelnen Abstufungen des Ergebnisses werden wie folgt beurteilt:

• 13 bis 18 Punkte: Altersgemäße kognitive Leistung
• 9 bis 12 Punkte: leichte kognitive Beeinträchtigung
• 8 Punkte oder weniger: Demenzverdacht 

 

Quelle:
Kessler, J., Calabrese, P., Kalbe, E., Berger, F.: DemTect: A new screening method to support diagnosis of demnetia., Psycho 2000; 26:343-347

4. Geriatrisches Screening nach Lachs

4. Geriatrisches Screening nach Lachs

Als geriatrische Patienten gelten Menschen mit einem hohen Grad an Gebrechlichkeit und aktiven Mehrfacherkrankungen, bei denen ein ganzheitlicher Behandlungsansatz erforderlich ist. Das geriatrische Screening nach Lachs ist die erste Stufe eines geriatrischen Assessments, um sowohl körperliche als auch kognitive Leistungsstörungen festzustellen.

Im Screening werden die sogenannten geriatrischen Riesen getestet:

• Instabilität
• Inkontinenz
• Immobilität
• Intellektuelle Beeinträchtigung
• Appetitlosigkeit
• Depressionen

Je nach Koordinationsfähigkeit dauert das geriatrische Screening 10 bis 12 Minuten. Zusätzlich wird die Sehfähigkeit getestet, da ein Abfall der Sehleistung zu Adhärenz-Beeinträchtigungen führen kann.

 

Quelle:
Lachs, M.S., Feinstein, A.R., Cooney, L.M., Jr., Drickamer, M.A., Marottoli, R.A., Pannill, F.C. et al.: A simple procedure for general screening for functional disability in elderly patients., Ann Intern Med 1990;112:699-706

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